Selbstwertgefühl, Schule und Arbeit
Selbstwertgefühl, Schule und Arbeitsleben
Viele Menschen mit einem beeinträchtigten Selbstwertgefühl berichten, dass sich ihre entwertenden Gefühle bereits in der Schulzeit weiter verstärkt haben. Auslöser sind häufig Hänseleien durch Mitschüler oder abwertendes Verhalten von Lehrkräften.
Kinder, die sich von ihren Eltern emotional angenommen und unterstützt fühlen, können solche belastenden Erfahrungen in der Regel besser verarbeiten und im geschützten Rahmen besprechen. Anders verhält es sich bei Kindern mit bereits geschwächtem Selbstwert: Negative Erlebnisse bestätigen und vertiefen hier bestehende Gefühle von Minderwertigkeit und Ablehnung. Frühere Selbstwertverletzungen wirken wie eine Kerbe im Holz – weitere Kränkungen treffen auf eine bereits vorgeschädigte Stelle und verstärken die innere Verletzung.
Die emotionale Reaktionsbereitschaft auf mögliche weitere Kränkungen ist deutlich erhöht. Betroffene interpretieren daher neutrale oder ambivalente Verhaltensweisen ihres Gegenübers nicht selten als persönlichen Angriff. Häufig beschreiben sie eine dauerhafte innere „Habachtstellung“ – das Gefühl, jederzeit kritisiert, abgelehnt oder verletzt werden zu können.
Im Berufsleben zeigt sich diese Dynamik oft in einem ausgeprägten Bemühen, es allen recht zu machen. Die Angst zu versagen oder nicht zu genügen führt dazu, dass eigene Grenzen übergangen und Belastungsgrenzen überschritten werden. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko für Erschöpfungszustände bis hin zum Burnout.
Zudem berichten Betroffene vermehrt von Angstsymptomen wie Erröten, Redeangst, vermehrtem Schwitzen oder innerer Anspannung. Aufgrund ihrer biografisch bedingten Sensibilität für Abwertung sind sie im beruflichen Kontext auch anfälliger für Mobbing als Menschen mit einem stabilen Selbstwertgefühl. Nicht selten tragen unbewusste Verhaltensmuster – geprägt durch frühere emotionale Verletzungen – dazu bei, dass sie in eine Opferrolle geraten und Angriffsflächen bieten.